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Nachgedacht

Selbst ist der Bauherr - Nachgedacht von Andreas Breuer

 

Bauen beginnt im Kopf, mit der Idee über die bevorstehenden Veränderungen. Und diese Idee wird beeinflusst: durch Gegebenheiten, Erfahrungen, Fachleute, den Geldbeutel und nicht zuletzt durch Medien. Sie geben vor, was „Trend“ ist. Schnell soll es gehen, ordentlich und sauber soll es sein, preiswert soll gebaut werden. Das ist Trend. Selbst ist der Bauherr.

 

Die Rolle von Planern und Architekten ist, sofern sie für das Baugeschehen notwendig sind, eine wesentliche. Sie geben Sicherheit, unterbreiten Vorschläge, überwachen den Bauablauf- aber selbst ist der Bauherr. Er steht mitten in der Materie, lernt schnell die Unterschiede zwischen Massiv- und Holzrahmenbauweise, Voll- und Teilunterkellerung, dieser und jener Dachform und so weiter. Der moderne Bauherr ist informiert, durch Messen, Literatur, Internet.

 

Und dann gibt es ja in demselben Medium noch die Foren, da kann man Fachleute und andere geplagte Bauherren zu Ihren Meinungen und Erfahrungen befragen, deutschlandweit, im engsten Fall. Holz aus Skandinavien, Zement aus Polen, Fliesen aus Italien- die Welt steht uns offen und ist inzwischen in fast allen Gebäuden eingezogen. Oder haben Sie keine Erdölprodukte in Ihrem Haus, vielleicht auch Tropenholz? Man kann sich da nicht so ganz sicher sein.

 

Welcher Bauherr stellt sich eigentlich vorher die Frage: Wo baue ich, in welchem Umfeld? Was ist gut für mich und meine Familie, welche Anforderungen habe ich heute und wie werden sie in der Zukunft aussehen? Schließlich, wer baut „schlägt Wurzeln“, verankert sich in dem Boden in dem er baut, bildlich gesehen oder doch nicht nur bildlich. Was kommt da in der Baugrube zum Vorschein? Könnte man mit diesem Material etwas anfangen, mit dem Lehm zum Beispiel?

 

Zugegebenermaßen wird das wohl in den seltensten Fällen so sein. Aber warum denken eigentlich so wenige über das Woher und Wohin der Baustoffe, die sie verarbeiten, nach?

 

Wer kommt schon auf die Idee, sein Bauholz im Winter selbst zu schlagen und im Sägewerk in der Nähe aufarbeiten zu lassen? Der Niedergang der kleinen Firmen wird beklagt, die Wirtschaft am Boden, Arbeitsplätze Mangelware. Wer gibt vor, dass Bauholz von dem Holzhändler kommen muss, der dieses Holz importiert? Selbst ist doch der Bauherr!

 

 

Der Bauherr ist Entscheidungsträger
Er legt fest, ob sein Haus auf der grünen Wiese oder als Lückenbebauung ausgeführt wird.

 

Er legt fest, ob er lieber ein vorhandenes Gebäude erwirbt, um dieses nach seinen Bedürfnissen umzugestalten. Die Faktoren Zeit und Geld spielen bei allen Entscheidungen eine große Rolle.

 

Ob der Bauherr selbst baut oder bauen lässt, ist abhängig von vielen Umständen und unerheblich für die Tatsache, dass er allein bestimmt, welche Materialien an welcher Stelle zum Einsatz kommen. Dass dabei technische, statische oder andere Belange berücksichtigt werden müssen, versteht sich von selbst und ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung. Wichtig ist allein die Erkenntnis, dass der Bauherr die Entscheidung über den Einsatz der Baustoffe trifft und damit Verantwortung trägt, für sich, seine Mitmenschen und erst recht seine Nachkommen.

 

Ökologisch zu bauen, bedeutet heute längst nicht mehr nur noch Naturbaustoffe im engsten Sinne einzusetzen. Vielmehr ist es die Kombination der verschiedenen Materialien unter Berücksichtigung ihrer Herkunft und ihrer Herstellungsweise, am Ende auch ihrer Entsorgung, zu einem sinnvollen Ganzen. Schließlich soll ein Bauwerk, egal ob um-, aus- oder neu gebaut, eine Verbesserung der Lebensqualität für alle Beteiligten darstellen. Vorausgesetzt, man hat vorher für sich festgelegt, was Lebensqualität ist.

 

Was wir brauchen, sind Bauherren, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind.